Bildschirmzeit & ADHS: Alarmierende Trends bei Kindern

Ein geistiges Unwetter zieht unter der Jugend Amerikas auf, wobei Störungen der Aufmerksamkeit alarmierende Ausmaße annehmen. Doch viele Experten sind der Meinung, dass ein Teil der Antwort einfach sein könnte: Die Bildschirmzeit einschränken.

Aktuelle Studien zeigen einen besorgniserregenden Zusammenhang zwischen intensiver Technologienutzung und ansteigenden Raten von Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen. Eine Auszeit von den Bildschirmen könnte ein Schutz vor den zunehmenden Anzeichen von ADHS bieten.

Bildschirm: ‚Hauptfaktor‘ für ADHS
„Der sich formende Geist neigt dazu, sich mit den auffälligsten Reizen zu verbinden“, erklärte Roger McFillin, ein klinischer Psychologe mit Zertifizierung in Verhaltens- und Kognitionspsychologie.

Bildschirme können Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin, die für unsere geistige Gesundheit essentiell sind, überbeanspruchen, sagte er. Er wies darauf hin, dass eine Störung dieser Signalwege zu Krankheiten wie ADHS und Entwicklungsverzögerungen führen kann.

In einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2023 untersuchten Wissenschaftler intensiv den Einfluss von Bildschirmzeit auf Kleinkinder. Die Studie erfasste mehr als 7.000 Kinder zwischen 2 und 4 Jahren. Die Forscher stellten fest, dass die Daten darauf hindeuten, dass eine längere Bildschirmzeit im ersten Lebensjahr zu Entwicklungsverzögerungen in den Bereichen Kommunikation und Problemlösung im Alter von 2 und 4 Jahren führt. Dies zeigt die langfristigen Auswirkungen von Bildschirmen auf die kindliche Entwicklung.

Laut Dr. Victoria Dunckley, einer Kinderpsychiaterin und Kennerin der Auswirkungen von Bildschirmzeit auf das kindliche Nervensystem, ist die Bildschirmzeit „der Hauptfaktor“ für die rasant steigenden ADHS-Raten.

Eine 2019 in Trends in Neuroscience and Education veröffentlichte Studie untersuchte die Annahme, dass Bildschirmzeit die Konzentrationsfähigkeit von Kleinkindern verringert. Forscher teilten 30 Vorschulkinder in zwei Gruppen ein: Eine Gruppe beobachtete Geschichten auf einem Bildschirm, während der anderen Gruppe dieselben Geschichten vorgelesen wurden.

Nach einem Zeitraum von sechs Wochen zeigten EEG-Scans, dass die Kinder, die den Bildschirm nutzten, Gehirnaktivitäten aufwiesen, die denen von ADHS-Patienten ähnelten.

In einer in Pediatrics veröffentlichten Untersuchung kamen Forscher zu dem Schluss, dass eine frühe Bildschirmnutzung später zu Konzentrationsproblemen führt. Die Studie umfasste 1.278 Einjährige und 1.345 Dreijährige. Über einen Zeitraum von sechs Jahren stellten die Forscher fest, dass 10 Prozent im Alter von 7 Jahren Konzentrationsprobleme hatten. Die täglichen Fernsehstunden im Alter von 1 und 3 Jahren standen in Verbindung mit Konzentrationsproblemen im Alter von 7 Jahren.

Zudem ergab eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023, die neun Studien mit insgesamt über 81.000 Kindern analysierte, dass übermäßige Bildschirmnutzung maßgeblich zur Entwicklung von ADHS bei Kindern beitragen kann. „Deshalb“, so die Autoren, „sollte die tägliche Bildschirmzeit bei Kindern reduziert werden, um das Auftreten von ADHS zu verhindern.“

Bildschirme können das Gehirn ‚überlasten‘
Die Nutzung von Bildschirmen kann sich negativ auf Sprachentwicklung, visuelle Verarbeitung, Gedächtnis und soziale Erkenntnis auswirken.

Interaktive Bildschirmnutzung, darunter soziale Medien und Spiele auf Tablets oder Telefonen, ist besonders anregend für das Gehirn, so Dr. Dunckley.

„Es bringt das Nervensystem immer wieder in einen Zustand von Angriff oder Flucht, ohne die Möglichkeit, diese Energie abzubauen“, erklärte sie. Wenn diese Hyperaktivierung regelmäßig auftritt, kann der Frontallappen des Gehirns effektiv „überlastet“ werden, fügte sie hinzu.

Wenn dies im Frontallappen geschieht, der für Emotionen, Motivation und Aufmerksamkeit verantwortlich ist, können Kinder impulsiv, rastlos, aggressiv oder sogar niedergeschlagen werden.

Die Forschung über die Auswirkung von interaktiven Bildschirmen auf das Gehirn von Kleinkindern ist noch begrenzt. Einige sind jedoch der Meinung, dass der Inhalt wichtiger ist als die reine Bildschirmzeit. „Eine schwache Erzählstruktur, schnelles Tempo, komplexe Reize oder Reize, die sich stark von der Realität unterscheiden, können es für das Kind erschweren, Informationen zu verarbeiten oder zu verallgemeinern“, so eine Studie.

Zu rasche Medikation?
Der Zusammenhang zwischen Bildschirmen und geistiger Gesundheit wurde im letzten Jahrzehnt immer deutlicher. Die meisten Therapieansätze setzen auf Medikamente. 2021 wurden 8 Prozent der US-Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren Medikamente gegen psychische Erkrankungen verschrieben, laut den US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC).

Seit der COVID-19-Pandemie gab es einen weiteren Anstieg „bei fast allen psychiatrischen Störungen, einschließlich ADHS“, so Dr. Stephen Farone, Professor in den Abteilungen für Psychiatrie, Neurowissenschaften und Physiologie und stellvertretender Vorsitzender für Forschung

Qellen:
https://publications.aap.org/pediatrics/article-abstract/113/4/708/64000/Early-Television-Exposure-and-Subsequent
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2211949319300213
https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/reveh-2022-0262/html


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